Bürgerbegehren gegen massenweise Klärschlammtrockung in Bruckmühl
www.Klaerschlamm-Bruckmuehl.de

Klärschlammverwertung in Ginsham/Hornau ?

Stop, wir wollen keine Klärschlammtrocknung in Hornau

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Nach der Insolvenz der  Grünfuttertrocknungsanlage in Hornau verfolgt die Firma Dettendorfer Rohstoff GmbH als neuer Eigentümer ein Betriebskonzept, welches künftig neben  der Grünfuttertrocknung auch die Trocknung von Klärschlamm vorsieht.

 

Klärschlamm, was ist das ?

Klärschlamm ist eine Mischung aus Schweb- oder Feststoffen und Flüssigstoffen. Die Feststoffe setzen sich während des Reinigungsprozesses in der Kläranlage aus dem Wasser ab und enthalten natürlich sehr viel Wasser. Letztlich enthält Klärschlamm neben Wertstoffen auch eine große Menge schädlicher Bestandteile wie Schwermetalle, Gifte, hormonell wirksame Substanzen und viele chemische Verbindungen, deren Zusammensetzung und Wirkung weitgehend unbekannt ist. Alle diese Stoffe stammen aus den Abwässern von z.B. Haushalte, Betriebe, Krankenhäuser und Arztpraxen. Dazu kommen auch Stoffe, die beispielsweise mit Niederschlagswasser in die Kläranlage gespült werden

 

Was geschieht mit dem Klärschlamm?

Klärschlamm kann derzeit auf verschiedene Weise entsorgt werden:

  • Ausbringung auf landwirtschaftlich genutzte Böden als Dünger
  • Verwendung im Landschaftsbau
  • Lagerung auf Deponie
  • Verbrennung z.B. in Müllverbrennungsanlagen oder Zementöfen
  • Verbrennung in speziellen Klärschlammverbrennungsanlagen

Die Ausbringung in Landwirtschaft und Gartenbau ist rückläufig, da die kritischen Bestandteile des Klärschlammes  zu schädlicher Kontamination des Bodens führen. Bei Mitverbrennung z.B. in Zementwerken gehen die enthaltenen Wertstoffe verloren. Hier ist inbesondere der Phosphor zu nennen. Die beschränkten natürlichen Phosphorvorkommen werden künftig u.a. durch Rückgewinnung aus Klärschlamm ersetzt werden müssen.

 

Ist Klärschlammtrocknung nötig?

Klärschlamm, so wie er im Klärwerk anfällt, enthält ca. 75-85% Gewichtsanteil Wasser. Für die weitere Entsorgung bringt die Entwässerung des Klärschlamms Vorteile. So wird das Gewicht und die Menge verringert, damit vereinfacht sich die Lagerung und der Transport des Klärschlammes. Für eine eventuelle Verbrennung ist auch der durch die Trocknung erhöhte Brennwert vorteilhaft.

 

Wo wird Klärschlamm zweckmäßig getrocknet?

Der Abtransport ungetrockneten Klärschlammes würde den Transport von ca. 75% Wasser bedeuten. Deshalb ist es sinnvoll, den Klärschlamm vor dem Transport zu trocknen. Um die Lagerung zu vereinfachen und die Transportkosten zu reduzieren, haben sich inzwischen viele Kläranlagenbetreiber, wie auch die Gemeinde Bruckmühl, für eine Trocknung des Klärschlammes auf der Kläranlage entschieden. Dies wird vom Umweltbundesamt so auch favorisiert. Die relativ geringe Klärschlammmenge der meisten kommunalen Kläranlagen erlaubt auch kostengünstige Trocknungsverfahren, zum Beispiel durch Einsatz des auf der Anlage entstehenden brennbaren Gases oder durch Solarheizung - letzteres ist in Deutschland weit verbreitet.

 

Warum soll Klärschlamm in Hornau getrocknet werden?

Wenn es zweckmäßig ist, Klärschlamm auf der Kläranlage zu trocknen (s.o.), dann besteht keine Notwendigkeit, Klärschlamm nach Hornau zu bringen und zu trocknen. Auch die weitere Verarbeitung, z.B. Verbrennung kann nicht in Hornau erfolgen. Also muß der Klärschlamm wieder weitertransportiert werden. Darüber hinaus ist für eine Trocknung in Hornau eine große Menge Energie erforderlich. Wo soll die herkommen?

In Hornau steht seit Jahrzehnten ein Grünfuttertrocknungsanlage für die Landwirte in der Umgebung. Diese Anlage wurde vor mehreren Jahren um ein Biomassekraftwerk zur Stromerzeugung und energetische Unterstützung der Futtertrocknung erweitert. Dieses Kraftwerk wurde jedoch nie wirtschaftlich betrieben. Hauptsächlich weil Grünfutter nur in der Vegetationsperiode anfällt und somit die Wärmeabnahme aus dem Kraftwerk nicht ganzjährig möglich war. Der größte Teil der Abwärme aus dem Kraftwerk ging nutzlos verloren. Letztlich ging die gesamte Anlage in die Insolvenz.

Der neue Eigentümer, die Dettendorfer Rohstoff GmbH, will nun das Kraftwerk wirtschaftlich nutzen. Das ist mit Grünfuttertrocknung alleine nicht machbar. Also muß die Abwärme anderweitig genutzt werden.

Deshalb soll der Klärschlamm nach Hornau zum Trocknen gebracht werden. Weil aber überaus viel Abwärme vom Kraftwerk erzeugt wird, benötigt man auch überaus viel Klärschlamm. Soviel, dass es nötig wird, den Klärschlamm aus einem Umkreis von Augsburg über Ingolstadt bis Freilassing nach Hornau zu bringen!

 

Risiken der Klärschlammverarbeitung

Das Umweltbundesamt (UBA) hat in Publikationen die Situation der Klärschlammverarbeitung in Deutschland dargestellt und auch auf die Gefahren und Risiken hingewiesen. Herausragend sind die Inhaltsstoffe wie z.B. Arsen, Quecksilber, Schwermetalle und chemische Bestandteile und Verbindungen sowie Rückstände aus Arzneimitteln. Pathogene Inhalte (Viren, Bakterien) stellen ein besonderes Risiko für Übertragung von Krankheiten dar. Eine sachgerechte Verarbeitung verlangt Erfahrung und besondere Sorgfalt im Umgang mit Klärschlamm.

Inwieweit sich die Verarbeitung solcher Stoffe und die Bearbeitung von Tiernahrung auf der gleichen Anlage vertragen, ist fragwürdig.

Um die Risiken für Mensch und Natur möglichst gering zu halten, wären jedenfalls Maßnahmen zu treffen.
Neben Herstellung einer geschlossenen Anlage und besonderer Sorgfalt bei der Hantierung kommt auch der Abluftreinigung wesentliche Bedeutung zu. Dabei wird die Abgabe an Schadstoffen an die Umwelt unvermeidbar sein, denn kein Filterhersteller garantiert einen hundertprozentigen Rückhalt dieser Stoffe. Bei der überaus großen Menge an Klärschlamm entsteht hier für den Standort Hornau und Umgebung ein nicht zu vernachlässigendes Risikopotential. Die erwartete Menge angelieferten Klärschlammes entspricht etwa dem vierzigfachen des in der Kläranlage Bruckmühl anfallenden Klärschlammes.

 

Wie sinnvoll ist die Klärschlammtrocknung in Hornau?

Um es vorneweg zu sagen: Es ist überhaupt nicht sinnvoll!

Um Klärschlamm in Hornau zu trocknen, muß dieser erst nach Hornau transportiert werden. Zur Erinnerung: Darin sind ca. 75% Wasser enthalten. Dieser sinnlose Wassertransport kann entfallen, wenn der Klärschlamm bereits im Klärwerk getrocknet wird.

Das dem Klärschlamm entzogene Wasser muß wieder entsorgt werden. Dazu muß es entweder der Kläranlage Bruckmühl zugeführt werden. Oder es wird verdunstet. Die Ausmaße der Dampfwolke über unseren Ortschaften kann man sich  vorstellen. Oder das Wasser wird wieder abtransportiert, sicher für die Spedition Dettendorfer kein Problem.

Wenn das Kraftwerk ganzjährig für die Klärschlammtrocknung in Betrieb ist, werden schätzungsweise 42.000 Tonnen Heizmaterial (Hackschnitzel) verbrannt. Das ist mehr als in den umliegenden Wäldern nachwächst. Irgendwoher muß  die benötigte Menge Holz kommen, also wieder eine Aufgabe für die Spedition.

Viele Kläranlagenbetreiber würden sich ihrer Verpflichtung zur sorgfältigen und umweltverträglichen Entsorgung entledigen, indem sie ihren Klärschlamm unbehandelt nach Hornau abliefern. Alle entstehenden Belastungen und Gefährdungen würden damit natürlich auch nach Hornau kommen.

Bewertet man den Energieaufwand für Transporte und Kraftwerksheizung, den schlechten Wirkungsgrad des Kraftwerks und die Risiken der Schlammbehandlung, so ist das ganze Projekt ökologisch nicht durchdacht.

Es besteht in Bezug auf die Klärschlammsituation in Bayern überhaupt keine Notwendigkeit, in Hornau eine derart große Anlage zu errichten. Dezentrale Trocknungseinrichtungen mit  wenig oder keinen Bedarf an fossiler Energie werden zunehmend mehr in kommunalen Kläranlagen errichtet und betrieben.

 

Warum wird dieses Projekt trotzdem weiterverfolgt?

Es ist einzig und allein das wirtschaftliche Interesse der Dettendorfer Rohstoff GmbH. Die ehemals landwirtschaftliche Genossenschaft für Grünfuttertrocknung soll nun zur industriellen Klärschlammtrocknung ausgeweitet werden. Aspekte zur Ökologie und zum zukunftsweisenden Energieeinsatz bleiben offensichtlich außen vor.

Was können Sie als Bürger der Gemeinde Bruckmühl gegen dieses Projekt tun?

  • Für wahlberechtigte Einwohner der Marktgemeinde Bruckmühl  haben wir eine Unterschriftenaktion für ein Bürgerbegehren gestartet. Mehr Informationen dazu finden Sie bei www.klaerschlam-bruckmuehl.de.
  • Verbreiten Sie unsere Informationen und Ihre Argumente in Ihrem Bekanntenkreis. Liken Sie unser Facebook-Seite.
  • Zeigen Sie damit allen Verantwortlichen, dass Sie mit uns der Meinung sind, dass dieses sinnlose und schädliche Projekt nicht realisiert werden darf.

Dicke Luft in Bruckmühl

Gefahren aus dem Schlamm?
Beitrag in der BR-Abendschau vom 14.7.2017

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